Von der letzten Woche gibt es leider nicht viel Erfreuliches zu berichten und ich hoffe, dass das die einzigen negativen Erfahrungen sind, die ich hier machen werde. Aber auch diese Phase ist hoffentlich überstanden und jetzt kann das Leben hier erst recht los gehen :-)
Das ganze „Drama“ fing im Grunde genommen am Sonntag vor einer Woche an, als Karla und ich von einem Downtownbesuch zurück nach Hause kamen. Zufälligerweise fanden wir in der Garage einen herrenlosen Brief rumliegen, der zwar an unser Apartment adressiert war, jedoch auf den Namen des Vormieters. Da der Vormieter schon seit Mitte September nicht mehr hier wohnt, haben wir den Brief aufgemacht – zu unserem Glück, wie sich später noch herausstellen sollte. Der Brief war von einer Anwaltskanzlei und besagte, dass auf unsrer Wohnung eine Pfändung liege, weil der Vormieter eine Telefonrechnung über umgerechnet rund 45,- Euro nicht bezahlt hatte. Weiter war geschrieben, wenn innerhalb von 72 Stunden nach Erhalt dieses Briefes die Rechnung nicht beglichen wäre, die Wohnung am Freitag, 24. Oktober gepfändet werden würde (Anmerkung: der Brief kam am 30. September an, ich bin am 5. Oktober eingetroffen).
Ich hab mir zunächst gar keinen Kopf gemacht und verstand die ganze Aufregung meiner Mitbewohnerin nicht. Nach langer Diskussion habe ich dann endlich kapiert, dass hier die Gesetze ganz anders sind, als ich es gewöhnt bin und ich meinen Verstand ausschalten muss, um zu verstehen, wie hier gewisse Sachen ablaufen. In Mexico ist es nämlich so, dass trotz Mieterwechsel (!) ein Embargo auf der Wohnung bestehen bleibt. Für uns hiess das also, dass unsere Sachen am Freitag gepfändet werden, obwohl wir mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben und uns keine Schuld trifft.
Da von Seiten der Organisation, mit der wir hier sind, weder Hilfe noch Verständnis kam, sondern nur die Anmerkung, dass das unser eigenes Problem sei, haben wir uns die Finger wund
telefoniert und bei allen möglichen Leuten Rat geholt (Internet, Anwalt, Konsulat, Arbeitskollegen und Vorgesetzte usw.) Wir bekamen immer eine ähnliche Antwort: so schnell wie möglich aus der Wohnung raus! Denn hier in Mexico werde „zuerst geschossen und dann geschaut, was dabei wie schwer getroffen wird“ – das soll heissen, dass es dem Staat erstmals egal ist, woher er das Geld bekommt, Hauptsache, er hat überhaupt etwas in den Fingern; das von wem und wieso wird erst viel später geklärt, oder wird ganz vergessen. Würden wir also nicht so schnell wie möglich die Wohnung verlassen oder mit dem Vermieter einig werden, seien all unsere Sachen weg und wir hätten dazu noch den mexikanischen Staat am Hals.
Da der Vermieter jedoch zunächst nicht dazu bereit war, die Rechnung zu begleichen, weil er es nicht als seine Pflicht/ sein Verschulden ansah, standen wir also vor einem grossen Problem und vielen Fragezeichen. Vor allem meine wenigen Sprachkenntnisse machten die ganze Situation für mich persönlich noch um einiges unangenehmer…
Es sei noch anzumerken, dass wir den Mietvertrag bis jetzt noch nicht unterschrieben haben, weil dieser über 12 Monate läuft. Da ich offiziell jedoch nur 10 Monate da bin und bei vorläufiger Wohnungskündigung sowohl die Kaution nicht zurück bezahlt wird, als auch eine Strafe von 4 Monatsmieten zu zahlen ist, haben Karla und ich uns bis jetzt geweigert, unter solchen Bedingungen den Vertrag anzunehmen (hier kommt wieder unsere Studentenorganisation ins Spiel, die erneut der Ansicht ist, dass das unser Problem sei). Den Vertrag müssen wir zusammen unterschreiben, weil wir hier auch zusammen wohnen; also können wir den Vertrag auch nur gemeinsam künden und sind somit gegenseitig füreinander verantwortlich.
Nach nächtelangen Diskussionen (mit durchschnittlich nicht mehr als drei Stunden Schlaf) mit Organisation und Vermieter, täglich ändernden Entscheidungen von einer eigenen Wohnung alleine (und somit die Kaution der jetzigen Wohnung verlieren), mit Karla zusammen was Neues suchen, über nur ein Zimmer zur Untermiete nehmen bis hin zu Hotelaufenthalt bis die Sache geklärt ist, hat der Vermieter irgendwann doch eingelenkt und die Rechnung beglichen. Als er nämlich mitbekommen hat, dass wir mit unseren Heimatländern im Kontakt sind, hat er wahrscheinlich kalte Füsse bekommen. Somit ist also das Problem mit dem Embargo erstmals vom Tisch (und hoffentlich folgen keine weiteren mehr)…
Karla und ich haben uns jetzt auch entschieden, hier zusammen in der Wohnung zu bleiben. Denn es ist sehr schwierig, vor allem in einer sicheren Gegend eine Wohnung auf die Schnelle zu finden. Ausserdem ist es dann auch nicht sicher, ob wir mit der neuen Wohnung die gleichen Probleme haben werden.
Angeblich erhalten wir nächste Woche eine schriftliche Bestätigung der Anwaltskanzlei, dass wir nichts mit der offenen Rechnung zu tun haben und somit aus der Sache raus sind. Aber eines habe ich in den letzten paar Tagen gelernt – dass ich hier nicht einfach alles so leicht glaube, was man mir sagt und ich bin sehr vorsichtig geworden.
Um das Problem mit dem Mietvertrag zu lösen und um nächstes Jahr auf keine weiteren Unannehmlichkeiten zu stossen, haben wir einen Brief aufgesetzt, der gewisse Dinge festhält und regelt, so z.B. dass wir nach 10 Monaten die Wohnung verlassen und jegliche anfallenden Kosten von der Organisation gedeckt werden, oder die Verpflichtung der Mietfortzahlung durch die Organisation, wenn eine von uns beiden vorzeitig nach Hause muss. Dieser Brief muss sowohl von dem Präsidenten der Organisation als auch von Karla und mir unterschrieben werden, inklusive Daumenabdruck (ist sehr wichtig hier in Mexico, sonst hat das Dokument keinen Wert) und ID-Nummer. Dann werden wir ihn von einem Anwalt beglaubigen lassen, damit es ein rechtlich anerkanntes Dokument ist. Wenn das erledigt ist, werden wir auch den Mietvertrag unterschreiben.
Ist alles sehr verwirrend und waren turbulente Tage, in denen ich wahrscheinlich aussah, wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Ich kam mir teilweise auch vor wie ein Fähnchen im Wind, das nicht weiss, von welcher Richtung der Wind kommt und wo hin es sich drehen soll.
Das ganze „Drama“ fing im Grunde genommen am Sonntag vor einer Woche an, als Karla und ich von einem Downtownbesuch zurück nach Hause kamen. Zufälligerweise fanden wir in der Garage einen herrenlosen Brief rumliegen, der zwar an unser Apartment adressiert war, jedoch auf den Namen des Vormieters. Da der Vormieter schon seit Mitte September nicht mehr hier wohnt, haben wir den Brief aufgemacht – zu unserem Glück, wie sich später noch herausstellen sollte. Der Brief war von einer Anwaltskanzlei und besagte, dass auf unsrer Wohnung eine Pfändung liege, weil der Vormieter eine Telefonrechnung über umgerechnet rund 45,- Euro nicht bezahlt hatte. Weiter war geschrieben, wenn innerhalb von 72 Stunden nach Erhalt dieses Briefes die Rechnung nicht beglichen wäre, die Wohnung am Freitag, 24. Oktober gepfändet werden würde (Anmerkung: der Brief kam am 30. September an, ich bin am 5. Oktober eingetroffen).
Ich hab mir zunächst gar keinen Kopf gemacht und verstand die ganze Aufregung meiner Mitbewohnerin nicht. Nach langer Diskussion habe ich dann endlich kapiert, dass hier die Gesetze ganz anders sind, als ich es gewöhnt bin und ich meinen Verstand ausschalten muss, um zu verstehen, wie hier gewisse Sachen ablaufen. In Mexico ist es nämlich so, dass trotz Mieterwechsel (!) ein Embargo auf der Wohnung bestehen bleibt. Für uns hiess das also, dass unsere Sachen am Freitag gepfändet werden, obwohl wir mit der ganzen Sache gar nichts zu tun haben und uns keine Schuld trifft.
Da von Seiten der Organisation, mit der wir hier sind, weder Hilfe noch Verständnis kam, sondern nur die Anmerkung, dass das unser eigenes Problem sei, haben wir uns die Finger wund
telefoniert und bei allen möglichen Leuten Rat geholt (Internet, Anwalt, Konsulat, Arbeitskollegen und Vorgesetzte usw.) Wir bekamen immer eine ähnliche Antwort: so schnell wie möglich aus der Wohnung raus! Denn hier in Mexico werde „zuerst geschossen und dann geschaut, was dabei wie schwer getroffen wird“ – das soll heissen, dass es dem Staat erstmals egal ist, woher er das Geld bekommt, Hauptsache, er hat überhaupt etwas in den Fingern; das von wem und wieso wird erst viel später geklärt, oder wird ganz vergessen. Würden wir also nicht so schnell wie möglich die Wohnung verlassen oder mit dem Vermieter einig werden, seien all unsere Sachen weg und wir hätten dazu noch den mexikanischen Staat am Hals.Da der Vermieter jedoch zunächst nicht dazu bereit war, die Rechnung zu begleichen, weil er es nicht als seine Pflicht/ sein Verschulden ansah, standen wir also vor einem grossen Problem und vielen Fragezeichen. Vor allem meine wenigen Sprachkenntnisse machten die ganze Situation für mich persönlich noch um einiges unangenehmer…
Es sei noch anzumerken, dass wir den Mietvertrag bis jetzt noch nicht unterschrieben haben, weil dieser über 12 Monate läuft. Da ich offiziell jedoch nur 10 Monate da bin und bei vorläufiger Wohnungskündigung sowohl die Kaution nicht zurück bezahlt wird, als auch eine Strafe von 4 Monatsmieten zu zahlen ist, haben Karla und ich uns bis jetzt geweigert, unter solchen Bedingungen den Vertrag anzunehmen (hier kommt wieder unsere Studentenorganisation ins Spiel, die erneut der Ansicht ist, dass das unser Problem sei). Den Vertrag müssen wir zusammen unterschreiben, weil wir hier auch zusammen wohnen; also können wir den Vertrag auch nur gemeinsam künden und sind somit gegenseitig füreinander verantwortlich.
Nach nächtelangen Diskussionen (mit durchschnittlich nicht mehr als drei Stunden Schlaf) mit Organisation und Vermieter, täglich ändernden Entscheidungen von einer eigenen Wohnung alleine (und somit die Kaution der jetzigen Wohnung verlieren), mit Karla zusammen was Neues suchen, über nur ein Zimmer zur Untermiete nehmen bis hin zu Hotelaufenthalt bis die Sache geklärt ist, hat der Vermieter irgendwann doch eingelenkt und die Rechnung beglichen. Als er nämlich mitbekommen hat, dass wir mit unseren Heimatländern im Kontakt sind, hat er wahrscheinlich kalte Füsse bekommen. Somit ist also das Problem mit dem Embargo erstmals vom Tisch (und hoffentlich folgen keine weiteren mehr)…
Karla und ich haben uns jetzt auch entschieden, hier zusammen in der Wohnung zu bleiben. Denn es ist sehr schwierig, vor allem in einer sicheren Gegend eine Wohnung auf die Schnelle zu finden. Ausserdem ist es dann auch nicht sicher, ob wir mit der neuen Wohnung die gleichen Probleme haben werden.
Angeblich erhalten wir nächste Woche eine schriftliche Bestätigung der Anwaltskanzlei, dass wir nichts mit der offenen Rechnung zu tun haben und somit aus der Sache raus sind. Aber eines habe ich in den letzten paar Tagen gelernt – dass ich hier nicht einfach alles so leicht glaube, was man mir sagt und ich bin sehr vorsichtig geworden.
Um das Problem mit dem Mietvertrag zu lösen und um nächstes Jahr auf keine weiteren Unannehmlichkeiten zu stossen, haben wir einen Brief aufgesetzt, der gewisse Dinge festhält und regelt, so z.B. dass wir nach 10 Monaten die Wohnung verlassen und jegliche anfallenden Kosten von der Organisation gedeckt werden, oder die Verpflichtung der Mietfortzahlung durch die Organisation, wenn eine von uns beiden vorzeitig nach Hause muss. Dieser Brief muss sowohl von dem Präsidenten der Organisation als auch von Karla und mir unterschrieben werden, inklusive Daumenabdruck (ist sehr wichtig hier in Mexico, sonst hat das Dokument keinen Wert) und ID-Nummer. Dann werden wir ihn von einem Anwalt beglaubigen lassen, damit es ein rechtlich anerkanntes Dokument ist. Wenn das erledigt ist, werden wir auch den Mietvertrag unterschreiben.
Ist alles sehr verwirrend und waren turbulente Tage, in denen ich wahrscheinlich aussah, wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Ich kam mir teilweise auch vor wie ein Fähnchen im Wind, das nicht weiss, von welcher Richtung der Wind kommt und wo hin es sich drehen soll.

Nichtsdestotrotz hat mich die (fast grenzenlose) Hilfsbereitschaft einiger Personen hier sehr berührt, die mich in diesen Tagen immer wieder aufgemuntert haben und mir ohne zu zögern ihre Unterstützung anboten. Dafür bin ich sehr dankbar und ich weiss sie sehr zu schätzen! Denn in allen negativen Erfahrungen stecken auch viele positive. Ich bin gespannt darauf, was die nächsten Tage bringen werden und bin zuversichtlich, dass alle „Problemchen“ gelöst werden können…
Hasta luego und lasst es Euch gut gehen!
Steffi