Erstmals noch Euch allen ein frohes neues Jahr und alles Gute für 2009!!
Über die Feiertage war ich in Cuernavaca und habe dort eine Sprachschule besucht – also von wegen Ferien! Nach sieben Stunden Spanisch hat abends ganz schön der Kopf geraucht. Aber ich habs mir ja selbst rausgesucht und somit wurde nicht gejammert!
Das Tolle war, dass ich dort bei einer Gastfamilie (Eltern ca. Mitte 50, Sohn 34, Töchter 30 und 36) wohnen konnte und ich es meeeegggga gut getroffen hab!! Sie waren einfach super freundlich und neben der Sprache habe ich viel von der Kultur und dem Leben hier mitbekommen. Ich wollte mich schon bei meinem Chef abmelden, damit ich dort bleiben kann ;-) Schon allein das Haus war der Hammer! Es ist sehr „offen“ konstruiert, weil es in Cuernavaca das ganze Jahr über immer warm ist (die Stadt wird auch „Stadt des ewigen Frühlings“ genannt). Der Garten war auch einfach nur ein Traum – neben einem Pool gab es zwei Bungalows (einen davon hatte ich für mich alleine, inklusive Bad) im Garten und es wuchsen Bananen, Orangen, Zitronen, Chili, Avocados und es gab sogar einen Kaffeebaum.
Mit der Familie bin ich um 20.00 Uhr in die Kirche gegangen, wie das hier für gute Katholiken so üblich ist. Die Kirche war schon vom Baustil ein Erlebnis, denn sie hatte nur ein Dach und war zu drei Seiten offen (wegen des Klimas eben). Und es waren viele jüngere Leute da und sehr viele Kinder. Da die Kinder sehr stark in den Gottesdienst involviert werden, erscheint alles viel freundlicher und lockerer. Sie sind zum Beispiel dafür verantwortlich, dass während der Messe die Jesusfigur zur Grippe getragen und hinein gelegt wird. Dazu sollte ich anmerken, dass sie hier, so wie ich das miterleben durfte, wirklich den Geburtstag von Jesus feiern. Die Musik ist auch sehr viel fröhlicher, wobei sie nicht so wie bei uns Weihnachtslieder singen, sondern ganz gewöhnliche Kirchenlieder, begleitet mit Schlagzeug und allem drum und dran. Ich muss zugeben, dass ich als einziges in der Kirche kurzfristig das Gefühl von Weihnachten hatte, ansonsten aber nicht.
Zu Hause wieder angekommen wurden die letzten Vorbereitungen fürs Essen getroffen und danach hiess es mit der Unterstützung von Tequila und jeglichen anderen alkoholischen Getränken warten, bis alle Familienmitglieder da sind und bis es Mitternacht schlägt. Wie schon erwähnt, feiern sie den Geburtstag Jesus. Aus diesem Grunde wird hier auch bis Mitternacht gewartet mit dem richtigen Feiern. Als es dann endlich soweit war, vielen wir uns um die Hälse und haben uns gegenseitig zu Jesus Geburt gratuliert. Um kurz vor eins gabs dann endlich Essen – und das natürlich zu Haufen. Es gab Salat, Dorsch (allein für dieses Gericht haben sie 5 Kilo Tomaten verkocht), Mole mit Schrimps, einen ganzen Truthahn und, und, und… Zum Nachtisch gabs Cheese-Cake und natürlich Kaffee :-) Ich muss hier glaub ich nicht näher erläutern, dass nach den zwei Wochen mein Gurt etwas enger sass als zuvor ;-) Ach ja, was ich auch noch lustig fand: der Weihnachtsbaum stand auf der Terrasse…
Nach dem Essen gabs dann endlich Bescherung. Die ganze Familie hat gewichtelt und jeweils nur für eine Person ein Geschenk kaufen müssen. So ging auch ich nicht leer aus und ich habe einen wunderschönen lila Schal von der einen Tochter geschenkt bekommen. Es war eine lustige Runde, aber ich war trotzdem froh, als ich gegen 6 endlich ins Bett kam.
Zwischen den Feiertagen habe ich samstags einen Ausflug nach Taxco gemacht, der „Silberstadt“. Silberstadt aus dem Grund, weil es dort früher Silberminen gab und heute ein Silberladen neben dem anderen ist. Gut, Stadt ist vielleicht etwas übertrieben, Taxco ist eher ein Dorf, das spanischen Charakter hat mit seinen engen und steilen Gassen und verwinkelten Häusern. Ich hab auch in meinem Leben noch nie so viele VW Käfer und VW Busse auf einem Haufen gesehen, wie dort. Natürlich hat bei der riesigen Auswahl an Silber mein Herz einen riesen Hüpfer gemacht und wie Ihr Euch vorstellen könnt, war ich hin und weg von den schönen Schmuckstücken. Der einzige, der hat leiden müssen, war mein Geldbeutel ;-)
Silvester ist so ähnlich abgelaufen wie an Weihnachten, nur dass wir diesmal nicht ganz so viele Leute waren und noch mehr getrunken wurde. Wir haben wieder gewartet bis um Mitternacht und uns draussen das Feuerwerk angeschaut. Es wurde sich gegenseitig gratuliert und alles Gute gewünscht und wir haben mit Lambrusco und 12 roten Trauben angestossen. Jede Traube stellt einen Monat dar und für jeden Monat soll man sich was wünschen. Gesagt, getan – bin ja mal gespannt, ob meine Wünsche in Erfüllung gehen :-)
Danach gabs wieder reichlich Essen und ich hab zum Nachtisch Tirami Su gemacht – kaum zu glauben, ich bin in ganz Cuernavaca rumgerannt und habe wie verrückt nach Löffelbiskuit gesucht, aber leider vergebens. Somit musste ich improvisieren und war nicht wirklich zufrieden mit dem Ergebnis. Hauptsache war aber, dass es den anderen geschmeckt hat! Glühwein hab ich auch gemacht. Meine mexikanischen Freunde fanden ihn sehr lecker und ich war ebenfalls erstaunt, wie gut er geworden ist. Allein die Aussentemperatur war einfach etwas zu hoch, um ihn wirklich geniessen zu können ;-)
Am nächsten Tag hiess es schon wieder früh aufstehen, weil ein Ausflug nach Xochicalco auf dem Programm stand. Xochicalco ist ca. eine Stunde von Cuernavaca entfernt und eine der wichtigsten präkolumbischen archäologischen Stätten von Mexico, bei der es mehrere Pyramiden und Ballspielplätze zu besichtigen gibt. Ich war zwar etwas müde, aber der Trip dort hin hat sich auf alle Fälle gelohnt, wie die Bilder zeigen.