Samstag, 20. Dezember 2008

Meine neue Liebe - ich gehe fremd ;-)

Tja, jetzt hats mich letztendlich auch erwischt und ich habe seit letzter Woche einen neuen Schatz in meinem Leben :-) Das ist er:



Schon seit längerem bin ich ja auf der Suche nach jemanden, der mit mir jede Abzweigung und jedes Schlagloch teilen möchte, doch irgendwie war nie der Richtige dabei – mal zu vergammelt, mal zu verrostet oder zu teuer, oder einfach nur Schrott, so wie das eben ist, wer kennt das nicht? ;-)

ABER seit letztem Mittwoch ist alles anders!! Ganz in meine Gedanken vertieft war ich gerade unterwegs zur Migrationsbehörde, die ich in den letzten drei Wochen schon häufiger besuchen durfte und sicherlich auch nicht zum letzten Mal dort war (bin gerade dabei, mein Visum registrieren zu lassen, was leichter gesagt ist als getan, weil sie immer wieder andere Dokumente haben wollen).

Plötzlich, direkt neben der Behörde bei einer Werkstatt, stand er da und zwinkerte mir zu. Hm, dachte ich mir, sieht gar nicht so schlecht aus, der Kleine, den könnt ich mir ja mal näher anschauen. Gesagt, getan… nach den ersten schüchternen Annäherungsversuchen (man bedenke die sprachliche Barriere) und einer kleinen Spritztour (wer will denn schon ne Katze im Sack kaufen ;-) ) entschieden wir uns relativ schnell, dass es nicht nur bei diesem einen Ausflug bleiben sollte. Sofort schmiedeten wir Umzugspläne, aber auf Grund einigen Papierkrams und Namensumschreibungen mussten wir uns noch ein paar Tage gedulden, bis wir endlich voll und ganz zusammen sein konnten...

Mein Vocho (so werden die Käfer hier genannt) hat schon einige Lebenserfahrung gesammelt, denn er hat den gleichen Jahrgang wie ich – wie viele Kilometer er wirklich auf dem Buckel hat ist jedoch schwer zu sagen, da sein Kilometerstand nicht funktioniert. Dafür ist er vor mir nur eine Beziehung eingegangen und das auch noch mit einer Kirche. Es fliegt also immer ein kleiner Engel mit, wenn wir unterwegs sind ;-)


Obwohl es hier keine Pflicht ist, haben wir eine Versicherung abgeschlossen. Auf Grund des Baujahres war jedoch nur eine Haftpflicht möglich, die keine 100 Euro gekostet hat (für ein Jahr). Wir hoffen mal, dass wir sie nicht brauchen werden, aber in der heutigen Zeit weiss man ja nie...

Auf alle Fälle erleichtert mir die neue Beziehung das Leben erheblich, und ich will meinen Vochito nicht mehr missen. Ich muss zum Beispiel nicht mehr um halb sechs morgens aufstehen, damit ich nach 1,5 Stunden Weg mit zweimal umsteigen pünktlich um halb acht in der Firma bin. Das einzige, was bis jetzt noch fehlt, ist ein Radio, aber das kommt auch noch nächstes Jahr.

Das Fahren hier ist immer ein Erlebnis und ich musste meinen Fahrstil etwas abändern, um mich dem Verkehrsfluss anzupassen – Kamikaze könnte in die Richtung gehen. Blinken ist meist überflüssig, dafür hebt man einfach den Arm ausm Fenster, wenn man sich wo einordnen will. Und die Hupe ist natürlich wichtiger als die Bremse! Sowohl die Huppel, die die Autofahrer zwingen (sollten), langsam zu fahren und die Schlaglöcher können auch schnell eine Herausforderung werden, weil sie meist dann auftauchen, wenn man nicht mit ihnen rechnet, bzw. der Vordermann eine Vollbremsung hin legt, um nicht mit 70 Sachen darüber zu heizen. Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt’s hier zwar auch, aber es wird meist die Regel benutzt „solang einer schneller fährt als ich, bin ich noch nicht zu schnell“. Aufpassen muss man nur bei den Polizisten die ne Radarpistole haben, aber die stehen immer an den gleichen Stellen und bis jetzt haben sie mich noch nicht raus geholt.

Wie gesagt, ich geniesse es, endlich mobil zu sein und vieles Neues kennenzulernen. Ich hoffe nur, dass mir mein Entel in Speyer das nicht übel nimmt, dass ich momentan fremd gehe, aber ich glaube, dass sie es verstehen wird ;-)

Muchos saludos y hasta luego,
Eure
Steffi

Montag, 8. Dezember 2008

El Tajin

El Tajin (im Staat Veracruz) ist eine totonakische Stätte, bei der die (mehr oder weniger berühmte) Nischenpyramide liegt. Das war mein Ausflugsziel für den 21. bis 24. November - die Busfahrt hin hat etwas mehr als 11 Stunden gedauert und ich hab natürlich die meiste Zeit geschlafen. Da der Bus Freitagabends um 23 Uhr los fuhr, hab ich zum Glück nicht viel verpasst von der Landschaft.



Nach einem Umsteigestopp in Poza Rica bin ich ca. eine halbe Stunde später am Samstag Morgen gegen halb 12 in Papantla angekommen. Nachdem ich mein Hotel bezogen und erst mal eine Runde geschlafen habe, habe ich das kleine Dörfchen "erobert". Im Grunde genommen wollte ich schon nach den ersten paar Minuten dort gar nicht mehr nach Monterrey zurück - die Leute waren so freundlich, kein Grossstadtstress und das Essen auch der Hammer! Einfach alles super! Das einzige, an das ich mich nicht so ganz gewöhnt habe, war die Tatsache, dass ich weit und breit die einzige Ausländerin war, und dann auch noch alleine unterwegs. Da bin ich teilweise schon ziemlich angestarrt worden. Das habe ich aber nicht negativ aufgefasst, weil die Leute so nett waren, es war einfach komisch, so sehr die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.



Sehr schön sind die "Trachten" der Männer. Trachten sind es nicht wirklich, aber ich weiss nicht, wie ich es sonst nennen soll. Kurz gesagt laufen die Männer hier so rum, wie Speedy Gonzales: weisses langes Hemd, weisse Hosen, Hut und (falls verheiratet) ein Halstuch um. Ich hab mir ein weisses Kleid mit roten Stickereien gekauft, typisch für die Frauen hier. Die Frauen in dem Laden, in dem ich das Kleid gekauft hatte, hatten so viel Freude an mir, dass sie mich gar nicht mehr gehen lassen wollten ;-)


Am Samstag verbrachte ich den restlichen Nachmittag auf einer Vanille-Plantage, weit ab vom Schuss und Mutterseelen alleine mit dem Inhaber, der mir eine private Führung gab. Es ist fast unglaublich, wie er sich für mich Zeit genommen hat, mir alles zu erklären und einen winzigen Teil seines "Dschungels" zu zeigen. Jetzt weiss ich also, wie Vanille angebaut wird (Veracruz ist sozusagen der Schoss der Vanille) und wenn mich jemand da hin schicken will, wo der Pfeffer wächst, habe ich seit diesem Wochenende auch nichts mehr dagegen (ich habe gar nicht gewusst, dass Pfeffer auf einem richtigen Baum wächst).


Weil ich grosse Menschenmassen vermeiden wollte, hiess es am Sonntag früh aufstehen, damit ich gleich um 9 Uhr in El Tajin bei der Pyramide sein konnte. Als ich kurz nach 9 dann dort war, war ich die erste Besucherin. Es war einfach unbeschreiblich - nur die Vögel zwitscherten und es lag richtig etwas mystisches in der Luft. Fast den halben Tag habe ich in dieser Stätte verbracht und sowohl die Bauten als auch die Atmosphäre genossen.








Zurück in Papantla habe ich mir an der Kirche den Tanz der Voladores angeschaut, ein etwas eigenartiger Tanz, aber sehr interessant... vier Tänzer seilen sich langsam von einem hohen Pfosten ab und drehen sich 13 Mal um diesen herum, Kopf voran, bis sie unten ankommen. Ein Freund hat mir vorher erklärt, wie der "Tanz" (eigentlich ist das gar kein Tanz, man könnte es eher als Slow-motion Bungee-jumping bezeichnen) von statten geht und ich konnte es mir absolut nicht vorstellen. Aber wie man auch auf den Bildern sieht, gibt es so was wirklich.


Montag habe ich gemütlich ausgeschlafen und nach dem Frühstück habe ich endlich mal einen Friseur aufgesucht. Das hätte ich vielleicht besser bleiben lassen sollen, aber für ca. 1,80 Euro kann man ja nicht allzu viel verlangen und ich kann wenigstens zum ersten Mal sagen, dass ich richtige Löcher auf dem Kopf habe ;-)

Um 15 Uhr ging es dann von Papantla mit dem Bus nach Poza Rica, und von dort aus zurück Richtung Monterrey. Nach ca. 15 Stunden Fahrt bin ich um Dienstag morgen gegen 5.30 Uhr in meiner Wohnung angekommen und hab mich gleich auf den Weg zur Arbeit gemacht. Ich war zwar etwas k.o., aber sehr zufrieden, denn der Ausflug hat sich auf alle Fälle rentiert und mir mal wieder eine neue Seite dieses Landes gezeigt.