Donnerstag, 16. Oktober 2008

Regen, Brot im Kühlschrank und andere Eigenarten

So langsam weiss ich, wie hier der Hase läuft und mir fallen immer mehr Eigenarten und Besonderheiten der Mexikaner auf. Leider ist das Wetter momentan nicht so besonders und ähnelt wahrscheinlich eher dem in Europa. Von wegen Hitze und Sonnenschein! Heute regnet es schon den ganzen Tag, was hier recht schnell unangenehm werden kann. Bis jetzt habe ich nämlich noch keinen einzigen Gulli oder sonstigen Kanalabfluss entdeckt. Das heisst also, dass auf den Strassen überall das Wasser steht. Vor allem morgens, wenn ich im Dunkeln aus dem Haus gehe, muss ich aufpassen, dass ich im Halbschlaf und mit noch nicht ganz geöffneten Augen aus Versehen nicht mit meinen Absatzschuhen bis zum Knöchel in irgendeiner Pfütze lande. Man sollte auch nicht ganz so nah an der Strasse laufen, da die vorbeifahrenden Autos dafür sorgen, dass man sich das Duschen sparen kann – das ist mir natürlich prompt heute morgen passiert. Es ist natürlich „sehr“ angenehm im Büro zu sitzen, wenn den ganzen Tag die Klimaanlagen auf Hochtouren laufen – egal, wie warm oder kalt es draussen ist! Seit Montag habe ich eine Mitbewohnerin – Karla aus Peru. Sie ist eine sehr liebe und wir verstehen uns gut. Sogar die Kommunikation funktioniert einwandfrei mit einem Gemisch aus Englisch und Spanisch. Ich denke, dass wir gut zusammen leben werden und bin schon gespannt, wie es mit Kochen, Putzen usw. aussehen wird. Karla hat mir nämlich erklärt, dass sie bis jetzt jemals weder gekocht noch gewaschen, geschweige denn geputzt hat, da sie für sich alleine eine „Nanny“ in Peru hat, die für diese Sachen verantwortlich ist (und das mit 29 Jahren!). Aber wir werden es sicher lustig miteinander haben und sind schon kräftig dabei, gemeinsame Reisepläne zu schmieden…

Heute ist mir was lustiges aufgefallen, als ich mit dem Bus nach Hause gefahren bin: wenn ein Restaurant kein Wechselgeld mehr hat, dann stellt sich einfach ein Mitarbeiter an den Strassenrand und wartet auf den nächsten Bus, um mit dem Fahrer die Noten in Münzen umzutauschen. Es ist hier nämlich sehr schwierig mit Scheinen den Bus zu bezahlen. Auf Nachfragen wurde mir gesagt, dass das hier so üblich sei… stellt Euch das mal bei uns vor – man steht bei McDonalds an der Kasse und muss erst mal warten, bis die Angestellte wieder von draussen zurück kommt, um Wechselgeld raus zu geben. Da wären wir schon längst wieder gegangen, ohne Essen!

Die Methode, wie sie hier Brot aufheben, habe ich auch noch nicht gekannt – hier liegt es nämlich im Kühlschrank. Angeblich bleibt es so länger frisch und fängt nicht so schnell an zu schimmeln. Jänu, ich werds mal ausprobieren.

Meinen ersten „richtigen“ mexikanischen Tequila habe ich auch schon hinter mir und man kann sich wirklich dran gewöhnen – mal schauen, ob das meinen Jägermeisterersatz werden kann ;-) Als ich jedoch erklärt habe, dass man bei uns braunen Tequila mit Orange und Zimt trinkt, bin ich ziemlich schräg angeschaut worden… hier gibt’s den ausschliesslich mit Salz und Zitrone.

Den Machoismus habe ich im positiven Sinne auch schon kennengelernt – als Frau MUSS man immer als erstes durch die Tür gehen, die man von Mann IMMER aufgehalten bekommt. Beim Einsteigen in den Bus ist das auch nicht anders und als Frau bekommt man so gut wie immer den Vortritt. Fährt man mit einem männlichen Wesen Auto, wird Frau zur Beifahrerseite begleitet und man bekommt die Tür sowohl auf als auch zu gemacht. Beim Einkaufen in männlicher Begleitung ist das auch nicht anders und Frau muss sich auch keine Gedanken machen, dass die Tüten zu schwer werden könnten, denn Mann trägt sie selbstverständlich, auch wenn es nur ein paar Meter zum Auto oder nach Hause sind. Das Ganze ist zwar schon gewöhnungsbedürftig, aber manche europäischen Männer könnten hier noch so einiges lernen ;-)

Meine Spanischkenntnisse werden auch schon besser, aber ich bin noch auf der Suche nach einem günstigen Unterricht. Beim Arbeiten spreche ich so ziemlich alles Querbeet, von Spanisch, Hochdeutsch und Englisch zu Pfälzisch und ab und zu Schweizerisch… da ist mein Hirn abends manchmal ganz schön überfordert. Vor allem mit Gabriel, ein anderer Praktikant von Monterrey, der mir genau gegenüber sitzt, lerne ich jeden Tag neue Wörter – mittlerweile kenne ich sogar schon so (überlebens-)wichtige Sachen wie perforadora (Locher), abrochadora (Tacker), tijera (Schere) usw. Also wundert Euch nicht darüber, wenn manche Sätze grammatikalisch etwas in der Schieflage sind!

Die beste Nachricht des Tages ist, dass wir seit heute endlich Internet haben!! Bin ab jetzt also voll und ganz erreichbar J Das ist gar nicht so einfach hier, denn erstens laufen die Verträge immer ein Jahr und man kann nicht einfach vorher kündigen. Zweitens müsste ich mit Karla zusammen einen Vertrag abschliessen, da wir ja auch zusammen wohnen. Da sie Peruanerin ist, ist es jedoch so gut wie gar nicht möglich, einen Vertrag abzuschliessen. Denn Südamerikaner haben hier ganz andere Rechte, sie können zum Beispiel auch nicht einfach Auto fahren, geschweige denn eins mieten. Da hab ich es dann doch etwas einfacher mit meinem Pass ;-)

Um einem Vertragsabschluss aus dem Weg zu gehen, haben wir einfach bei unserem Nachbarn angeklopft und ihn gefragt, ob wir sein WLAN mitbenutzen dürfen – so schnell und günstig bekommt man in Europa kein Internetanschluss!

Also, so viel für momentan!

Liebs Grüessli und bis bald!
Steffi

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hi Steffi, also Brot bleibt definitiv nicht langer frisch. Es schimmelt zwar nicht su schnell, aber dafür ist es ruck zuck ausgetrocknet.

Grüsse vom Bäckermeister ;-)

Anonym hat gesagt…

Liebe Steffi,
schoen, dass wir von Dir lesen koennen, wahrscheinlich von jetzt ab regelmaessig!
Nachdem wir schon Deinen Abschied verpasst haben....
wie lange ist Mexico nun Dein neues Zuhause?
Gutes Eingewoehnen und weiter viele lustige und interessante Erkundungen!

Liebe Gruesse aus Speyer: Kwang Sup und Melanie

Anonym hat gesagt…

He Steffi,
schade das ich die Gesichter nicht sehen konnte, als du von Tequila mit Orange und Zimt berichtet hast... Die haben sich bestimmt köstlich über die bekloppten Europäer amüsiert.
Und wenn du Gummistiefel brauchst,
es ist ja bald Weihnachten! ;-)
LG Kiwi