Montag, 17. November 2008

Zu grosse Füsse - Made in Switzerland

Ja, ich weiss, ich hab schon ne ganze Weile nix mehr geschrieben. Genau aus diesem Grund kommt hier auch schon der nächste Eintrag :-)

Während der Woche gibt es momentan nicht wirklich viel Spektakuläres zu berichten, ausser dass ich jetzt sehr intensiv auf der Suche nach einem Auto bin. Ich habe mir schon ein paar angesehen, aber es ist gar nicht so einfach, was Passendes zu finden, da man als Gringa (Ausländerin) sehr schnell übers Ohr gehauen wird – viele Autoverkäufer haben dann sofort Dollarzeichen in den Augen und verlangen für Schrottkisten utopische Preise. Es ist schon spannend, mal auf der anderen Seite zu stehen… So schnell geb ich nicht auf und ich werde sicherlich bald mal was finden...


Am Donnerstag hat mich Karla nach der Arbeit zur Begrüssungsparty von ihrer Abteilung mit genommen. Es gab Carne Asada, ein ganz spezielles und für den Norden Mexikos typisches gegrilltes Fleisch, gegrillte Würste und natürlich Tortillas (aber aufgepasst, dass sind nicht die spanischen Tortillas mit Eiern, sondern die Mehl- oder Maisfladen, die wir bei uns beispielsweise von den Burritos kennen). War meeeeeeeeeeega lecker!!!

Da am 20. November Jahrestag der mexikanischen Revolution ist (seit 1910), hatten wir heute frei. Die Mexikaner haben nämlich vor ein paar Jahren bestimmt, dass einige Feiertage einfach auf den Montag verschoben werden, wenn sie unter der Woche sind, damit sie ein langes Wochenende haben. Dies ist natürlich perfekt, um zu verreisen. Ich Kleverle hab das leider zu spät registriert und als ich es dann kapiert hatte, waren schon sowohl alle Bus- und Flugtickets als auch Hotels entweder schon ausgebucht oder viel zu überteuert. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als hier zu bleiben und von hier aus etwas zu unternehmen.

Das „lange“ Wochenende begann ich dann gleich mal am Freitag mit dem Besuch eines Basketballspiels der ersten mexikanischen Liga. Obwohl das Stadium gleich um die Ecke meiner Wohnung ist, hatte ich Angst, dass ich es nicht rechtzeitig schaffen werde. Nach der Arbeit ging ich nämlich zuerst einen Käfer anschauen. Ich dachte eigentlich, dass die Strasse ganz in der Nähe meiner Wohnung sei und nahm glücklicherweise ein Taxi (zuerst wollte ich mit dem Bus in die Nähe fahren und dann zu Fuss weiter).


Aber ich habe mal wieder etwas dazu lernen können: und zwar gibt es hier meist mehrere Strassen mit dem gleichen Namen und man sollte sich vorher immer zuerst schlau machen, in welcher Kolonie die Strasse ist, in die man möchte. Die Strasse, die ich suchte, war natürlich ganz am anderen Ende der Stadt! Dafür hatte ich während der Fahrt aber mal wieder Gelegenheit, meine Sprachkenntnisse aufzubessern, weil der Taxifahrer sehr gesprächig war und mich während der ganzen Fahrt über mich, Europa und die Welt ausfragte (die meisten Taxifahrer sind sehr gesprächig und neugierig hier). Auto war nix, aber dafür eine interessante Fahr t durch ganz Monterrey.

Rechtzeitig kurz vor 20.00 Uhr bin ich an der Halle angekommen. Das Spiel war nicht wirklich gut und die Heimmannschaft (ihr Name ist Fuerza Regia) hat verdient verloren. Es waren relativ wenige Zuschauer da, aber bei einem stolzen Eintrittspreis von 100 Pesos (ca. 6 Euro) ist es auch nicht verwunderlich – ein Kinobesuch im Vergleich kostet grad mal 1,80 Euro. Ausserdem war interessant zu beobachten, dass die Zuschauer eher darauf aus waren, Werbegeschenke von dem Maskottchen der Mannschaft abzustauben, als dem Spiel zu folgen.

Am Samstag stand dann erst mal Wohnung putzen auf dem Plan. Eigentlich wäre meine Mitbewohnerin an der Reihe gewesen, aber da sie noch nie in ihrem Leben geputzt hat, habe ich sie unterstützt und ihr gezeigt, wie das geht…

Mittags gingen wir zu dem berühmten „Pulga“-Markt. Man muss sich dabei eine riesige Halle vorstellen mit vielen verschiedenen Händlern, die jede Menge gefälschte Ware von Kleidern, Schuhen über Handtaschen und Elektrogeräte bis hin zu Schmuck und Spielwaren verkaufen. Sucht man was bestimmtes, ist das sicherlich ein guter Ort, um Schnäppchen zu machen!

Nächster Stopp war eine Lederausstellung, ein Tipp meines gesprächigen Taxifahrers vom Vortag. Ehrlich gesagt hab ich mir diese Ausstellung etwas anders vorgestellt, aber letztendlich war es nichts anderes als eine noch grössere Halle mit vielen Ständen, die hauptsächlich Schuhe, Handtaschen und Lederjacken verkauften – und das zu Spottpreisen!! Hätte ich doch nur Schuhgrösse 39, dann wär das das absolute Paradies gewesen!! Aber mit Grösse 40/ 41 wars dann eben nix mit Lederschuhe kaufen für unter 20 Euros :-( Dafür habe ich eine schöne braune Lederhandtasche gefunden, bei der ich nicht wiederstehen konnte :-)

Abends wollte ich mit Karla „nur kurz“ in der „Uma Bar“ ein Bier trinken gehen und es wurde dann auch „nur“ 3 Uhr, bis wir daheim waren.
Es stellte sich nämlich heraus, dass das keine Bar, sondern eine Disko war mit einer absolut guten Atmosphäre und Musik. Etwa alle 30 – 40 Minuten wechselte sich ein DJ mit einer Live-Band ab, die alle möglichen (Cover-) Lieder (englische und spanische) spielte. Mann (!) hat hier einiges zu sehen, denn die meisten Mädels haben so kurze Miniröcke an, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe, und die Ausschnitte sind auch nicht von schlechten Eltern - sie gehen fast runter bis zum Bauchnabel! Nur bei manchen Mädels ist das nicht gerade sehr vorteilhaft… ;-)


Sonntag stand die Grutas de Garcia auf dem Plan. Da Karla sich nicht gut fühlte, ging ich alleine los und fuhr mit einem Bus ca. eine Stunde durch eine Kakteen- und Sträucherwüste in die Berge. Mit einer Doppelmayr Gondel made in Thun, Switzerland (das beruhigte mich doch sehr, denn angeblich sind die zuvor benutzten mexikanischen Gondeln hin und wieder wegen Sicherheitsmängeln abgestürzt) ging es zu der 1100 Meter hoch gelegenen Tropfsteinhöhle, welche 1843 von einem Priester entdeckt wurde. Eine ca. 45-minütige Tour führte durch die riesige Höhle und ich bewunderte als einzige Ausländerin unter der Gruppe die atemberaubenden Stalactiten und Stalagmiten. Leider konnte ich nicht viele Fotos machen, weil ich vergessen hatte, die Batterien meiner Kamera zu laden.



Während der Tour lernte ich Vicky, eine Medizinstudentin aus Puebla kennen, die momentan in Monterrey bei ihrem Onkel lebt. Als sie mich sah, hat sie mir sofort ihre Hilfe angeboten, falls ich etwas nicht verstehen würde oder sonst etwas bräuchte. Am Schluss der Tour tauschten wir unsere Emailadressen aus und wir wollen mal was zusammen trinken gehen. Ich bin immer wieder überrascht, wie gastfreundlich, hilfsbereit und offen die Leute hier sind und wie sehr sie sich für mich interessieren und wissen wollen, woher ich bin, was ich hier mache usw.


Heute wollte ich eigentlich wieder früh raus und den freien Montag ausnutzen, um die Cascada Cola de Caballo, Wasserfälle einige Kilometer ausserhalb Monterreys, zu besichtigen. Halsschmerzen und Erkältung hielten mich aber davon ab und ich entschied mich, noch eine Runde zu schlafen. Das war auch eine gute Entscheidung, denn ein paar Stunden später fühlte ich mich schon wieder etwas besser. Es verwundert mich nicht, dass ich mir ne Erkältung eingefangen habe, denn so langsam wird es hier nachts richtig kalt und ohne richtige Heizung und Isolierung ist das in der Wohnung sehr ungemütlich. Dazu muss ich mir in den nächsten Tagen noch was einfallen lassen, sonst werde ich hier noch zum Eiszapfen, wenn es richtig kalt ist.

Gegen späten Nachmittag schleifte mich meine Mitbewohnerin nochmal zur Lederausstellung, weil sie sich noch ein paar Schuhe kaufen wollte. Nach erfolgreichem Einkauf und bevor es wieder heim ging, schlenderten wir durch den Parque Fundidora, ein gigantischer Park, der früher einmal ein Fabrikgelände war und jetzt für die Öffentlichkeit zugänglich ist und wunderschön hergerichtet wurde.

Wie Ihr also lesen könnt, geht es mir gut und ich bin noch nicht verschollen ;-) Bei Euch geht ja so langsam die Glühweinzeit los und ich hoffe sehr, dass Ihr mal ein oder zwei oder drei… für mich mit trinkt ;-)

Bis zum nächsten Mal, lasst es Euch gut gehen!

Eure Steffi

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

He Steffi,
also verhungern tust du uns ganz sicher nicht oder?
Hier ist für heute der erste Schnee gemeldet und ich bin froh, dass ich eine funktionierende Heizung habe. Wenn ich dir eine Wärmflasche schicken soll, dann meld dich einfach. ;-)
Ganz liebe Grüße aus KA
KIWI